Guten Tag, Frau Modeste
Gibt nichts zu erzählen, rechtfertige ich mein Schweigen und schiebe mein Glas unruhig hin und her. Will doch keiner wissen, was ich tue, jeden Tag zwischen neun und elf Uhr abends, bis alles Rot verschrieben ist, und nur noch eine helle, trübe Brühe in meinen Adern zirkuliert.
Soll ich denn, trinke ich der Wand zu und den dunklen Scheiben, von den Morgen erzählen, in der Dusche, umflossen von Wasser und künstlichem Duft, wenn ich meine Hände betrachte wie Kinder es tun, und mir vorstelle, wie sie aussehen würden, wäre ich tot. Die blauen Adern, die hellgrauen Fingernägel, und wer mich alles anfassen könnte, den ich lebendig niemals berühren würde, und würde mir spaßeshalber die Hand schütteln.
"Guten Tag, Madame!", hieße es dann, und würde nach Chlorophorm und Kälte riechen, und die Studenten rundherum würden lachen, wie man nur über den Tod lachen kann, aber ich bliebe stumm.
Gibt nichts zu erzählen, schüttele ich den Kopf, und körnig-naß schimmern die Straßen, als führten sie irgendwohin. Soll doch keiner wissen, was von mir übrig bleibt, nachts, wenn ich nicht schlafen kann, aber das kommt zum Glück selten vor, seltener jedenfalls, fast, würde ich sagen: so gut wie nie.
denken sie doch bitte an etwas anderes, es macht mich ja selbst ganz nachdenklich.
und ich würde ihnen gerne mal die hand schütteln, aber nicht im hohn.